🇩🇪 Warum Korea gerade jetzt Bedeutung gewinnt
Ăśber Strukturen, Generationen und einen neuen Typ Dialog
Mehr als Technologie: Ein Blick hinter die sichtbare Geschwindigkeit
Für viele Europäer ist Korea ein Land des Tempos: schnelle Netze, agile Unternehmen, technologische Präzision. Doch die eigentliche Kraft des Landes liegt hinter dieser Oberfläche – in seinen Systemen, seinen Menschen und einer Kultur, die Veränderung nicht fürchtet, sondern organisiert.
Mit massiven Investitionen in KI-Infrastruktur, einer jungen Generation mit ausgeprägter kultureller Kreativität und einem politischen Rahmen, der Experimente zulässt, entsteht ein Land, das nicht nur Innovation produziert, sondern Innovation prototypisiert.
Für europäische – insbesondere deutsche – Studierende, Forschende und junge Professionals wird Korea damit zu einem Raum, in dem Lernen, Arbeiten und kulturelles Verstehen unmittelbar ineinandergreifen.
1. Korea als Labor struktureller Transformation
Während viele Industrieländer vor den gleichen Herausforderungen stehen – verlangsamtes Wachstum, demografischer Wandel, technologische Umbrüche – wählt Korea einen untypischen Kurs: keine kleinen Reformen, sondern einen strukturellen Umbau.
Für das Haushaltsjahr 2026 stellte die Regierung 10,1 Billionen Won (ca. 7 Mrd. Euro) für Künstliche Intelligenz bereit – nicht nur für Technologieentwicklung, sondern für die Neucodierung zentraler gesellschaftlicher Funktionen.
Gleichzeitig wurde ein dreigliedriges Entwicklungsmodell aufgebaut:
- Nationale Computing-Infrastruktur
- Ausbildung hochqualifizierter KI-Fachkräfte
- Erweiterte Innovationsfonds fĂĽr Deep-Tech-Startups

Quelle: Ministry of Economy and Finance (MOEF), Supplementary Budget Proposal 2025.
Die OECD zählt Korea zu den Ländern, die „am schnellsten datenbasierte, digitale Verwaltungssysteme aufbauen“.
Doch diese Dynamik hat zwei Seiten:
- Sie erhöht Effizienz und Experimentierfähigkeit.
- Gleichzeitig stellt sie die Frage, wie kleinere, unabhängige Akteure in einem stark zentralisierten Innovationssystem Sichtbarkeit und Ressourcen erhalten.
Korea muss daher die Balance halten zwischen strategischer Zentralisierung und offenem Raum fĂĽr bottom-up Innovation.
2. Die emotionale Ă–konomie einer neuen Generation
Parallel zum strukturellen Wandel vollzieht sich ein kultureller.
Die koreanische Generation Z ist nicht nur Konsumentin – sie ist Marktmacherin, Erzählproduzentin und ästhetische Trendsetzerin.
Daten dazu sind eindeutig:
- 73% der koreanischen Gen Z betrachten Marken als Ausdruck ihrer emotionalen Identität (Deloitte Korea, 2024).
- Der vegane Beauty-Markt wuchs zwischen 2020 und 2025 um 450% (KOTRA, 2025).
- Apps, Webtoons und digitale Plattformen werden nicht für Effizienz genutzt, sondern als Räume ästhetischer Ko-Kreation.

• 73 % der koreanischen Gen Z geben an, dass Marken für sie eine Sprache der eigenen emotionalen Selbstdarstellung sind.
• Der vegane Beauty-Markt in Korea ist zwischen 2020 und 2025 um 450 % gewachsen.
• 62 % bewerten ästhetische Nutzererfahrung als wichtigsten Faktor im App-UX-Design.
Diese Trends zeigen, wie stark Emotion, Identität und digitale Kultur die Konsummuster der Gen Z in Korea prägen und wie Unternehmen neue Wertschöpfung daraus entwickeln.
Quellen: Deloitte Korea 2024, KOTRA 2025, NIA 2024
Diese Generation formt Nachfrage in Echtzeit.
Startups entwickeln Produkte nicht mehr entlang klassischer Marktstudien, sondern im unmittelbaren Austausch mit einer Zielgruppe, deren Feedback-Zyklen extrem kurz sind.
Doch auch hier gibt es Ambivalenzen:
- Zwischen Selbstentfaltung und Ăśberforderung
- Zwischen hyperdigitalem Alltag und dem Wunsch nach Stabilität
- Zwischen kreativer Freiheit und wirtschaftlichem Druck
Die Herausforderung besteht darin, diese dynamische Kraft zu stärken, ohne sie zu überlasten.
Teil 2 folgt in der nächsten Ausgabe – bleiben Sie dran.