🇩🇪 Systeme, Dialog und Zukunft

🇩🇪 Systeme, Dialog und Zukunft

3. Das unsichtbare Korea – synchronisierte Systeme statt isolierter Reformen

Hinter Koreas sichtbarem Erfolg steht ein System, das auf Synchronität basiert:

  • Staatliche Programme
  • Industrielle Umsetzung
  • Akademische Ausbildung
  • Gesellschaftliche Akzeptanz
K-Digital Training: Praxisorientierte KI-Weiterbildung in Korea, Bild © K-welle, generative KI

Diese vier Ebenen bewegen sich oft im Gleichklang – etwas, das in vielen europäischen Kontexten fragmentierter wirkt.
Koreas Stärke liegt weniger im Besitz einzelner Spitzentechnologien, sondern in der Fähigkeit, kollektives Experimentieren zu institutionalisieren.

Doch auch diese Struktur hat Schattenseiten:

  • Hohe Geschwindigkeit erzeugt kulturellen und beruflichen Druck
  • Ein zu schneller Konsens kann Risiken ĂĽberdecken
  • Das System ist anfällig fĂĽr Ăśberzentralisierung

Europa kann dennoch viel lernen: Nicht die Geschwindigkeit ist entscheidend, sondern das Ausrichten verschiedener gesellschaftlicher Kräfte auf ein gemeinsames Experiment.


4. Dialog als Infrastruktur – ein Modell für Korea und Europa

Gesellschaften werden nicht nur durch Institutionen bewegt, sondern durch die Art des Dialogs, den sie pflegen.
Dialog wird so zur Infrastruktur – einem unsichtbaren Netz zwischen Forschung, Politik, Kultur und Wirtschaft.

Korea zeigt, wie stark ein Ă–kosystem werden kann, wenn Dialog auf drei Ebenen gleichzeitig aktiviert wird:


(1) Individuelle Ebene – Lernen durch Erfahrung

Zunehmend reisen europäische, besonders deutsche Studierende nach Korea.
Sie besuchen Startups, Innovation Labs, Forschungscluster, KI-Zentren – und entwickeln dadurch nicht nur Wissen, sondern berufliche Kompetenz.

Ein anschauliches Beispiel ist das Frankfurter Korean Film Festival, das seit Jahren zeigt, wie kulturelle Neugier zu echter transnationaler Verbindung fĂĽhrt.

Korean Film Festival Frankfurt feiert Grenzen und Freiheit
K-Pop, Kino und Kimchi: In Frankfurt startet das Korean Film Festival mit einem vielseitigen Programm aus Filmen, Streetfood und Workshops. Unter dem Motto “Grenzen und Freiheit” geht es in diesem Jahr um mutige Geschichten, starke Regisseurinnen – und Gänsehaut im koreanischen Horrorkino.

(2) Institutionelle Ebene – Kooperation als Struktur

Deutsche und koreanische Hochschulen, Unternehmen und Kulturorganisationen haben zwar zahlreiche Austauschprogramme – doch oft mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Erwartungen.

Die Lösung ist strukturierter, kontinuierlicher Dialog:

  • Gemeinsame Seminare
  • Forschungskooperationen
  • Austauschprogramme
  • Co-Creation Formate

Nur dort, wo Dialog dauerhaft gepflegt wird, entsteht resiliente Zusammenarbeit.

German Innovation Days aim to boost Korea ties
The Embassy of the Federal Republic of Germany in Seoul, in cooperation with the Herald Media Group, will host German Innovation Days 2025, a monthlong series o

(3) Gesellschaftliche Ebene – Gemeinsame Themen, gemeinsame Sprache

Fragen wie:

  • KI-Ethik
  • Nachhaltigkeit
  • Digitale Ă–ffentlichkeit
  • Zukunft der Arbeit

verbinden Korea und Deutschland.

Im Interview mit Kinka Schuhmacher vom Zuse Institute Berlin zeigt sich ein zentraler Unterschied:

  • Deutschland: KI als gesellschaftliches Projekt der Verantwortung
  • Korea: KI als praktisches Experiment der Umsetzung

Vergleich der KI-Denksysteme

Dimension Deutschland (ZIB / EU-Kontext) Korea (Universitäten & Industrieforschung)
Forschungsmodell Fundamental, mathematisch fundiert Anwendungsorientiert, industrieintegriert
Werte Vertrauen, Verifizierung, Governance Geschwindigkeit, Skalierbarkeit, Experimentierfreude
Systemrhythmus Schrittweise, regulierungsorientiert Rasant, staatlich unterstĂĽtzt
Stärken Sicherheit, Zuverlässigkeit, Standardsetzung Umsetzungskraft, Iterationsgeschwindigkeit, Marktagilität
Abbildung: Gegenüberstellung zweier KI-Denksysteme. Während Deutschland stärker auf Sicherheit, Verlässlichkeit und Governance setzt, fokussiert Korea auf schnelle Umsetzung, Iteration und industrieintegrierte Anwendungen. Diese Unterschiede sind nicht hinderlich, sondern komplementär.
Quelle: Analyse K-Welle (2025)

Accept marketing cookies to watch the video.

Diese Perspektiven widersprechen sich nicht – sie ergänzen sich und eröffnen Möglichkeiten für eine bilaterale Zukunftsagenda.


Eine Einladung zum gemeinsamen Denken

Korea ist derzeit einer der spannendsten Orte, um strukturelle Veränderungen, kulturelle Dynamik und technologische Experimente gleichzeitig zu beobachten.

Die wichtigste Ressource ist Synchronisation:

Systeme, Generationen, Kultur und Dialog in ein gemeinsames Entwicklungsprojekt einzubetten.

Für deutsche und europäische Studierende, Forschende und junge Innovator:innen entsteht dadurch eine seltene Chance:
Zukunft nicht nur zu analysieren – sondern praktisch auszuhandeln und zu prototypisieren.

Dawn Chang, PhD · Editor-in-Chief, K-Welle · editor@k-welle.com